Zazen, Meditation im Sitzen

Zazen, die Meditation im Sitzen widmet seine ganze Aufmerksamkeit der Haltung, der Atmung und dem Auftauchen und Verschwinden der Gedanken. Man nennt sie auch Shikantaza, einfach nur sitzen.
Die regelmäßige Zazen-Praxis ermöglicht es uns zu allererst, den Geist ruhig und klar werden zu lassen. Das Geheimnis des Zen besteht darin, sich einfach nur hinzusetzen.
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Körperhaltung

Zazen kann im Lotossitz (Kekka-Fuza), im halben Lotossitz (Hanka-Fuza), im sogenannten Burmesischen Sitz oder im Fersensitz (Seiza) durchgeführt werden. Hilfsmittel sind im Zen das Sitzkissen (Zafu).
Das Becken ist dabei ein wenig nach vorne gekippt, so dass die Wirbelsäule gerade ist. Der Kopf wird so gehalten, dass das Kinn herangezogen wird. So wird die Nackenwirbelsäule gestreckt. Die auf dem Boden aufliegenden Knie bilden mit dem durch das Zafu erhöhte Gesäß eine stabile Position.
Die Hände liegen auf den Oberschenkeln. Die Finger der linken Hand liegen auf denen der rechten Hand, die Handflächen schauen nach oben und die Daumen berühren sich leicht waagrecht. Die Handkanten haben Kontakt zum Unterbauch.
Dies ermöglicht die Kontrolle der Aufmerksamkeit während des Zazen. Kippen die Daumen nach vorne oder nach unten, so ist man schläfrig (Konchin), wenn die Daumen mit der Zeit angespannt werden und nach oben zeigen, so ist man verkrampft (Kenhen). Beides sind Kennzeichen der Unkonzentriertheit.
Während des ganzen Zazen ist man stets bemüht, immer wieder zur Haltung zurückzukehren, und damit den Geist zurückzuholen und nicht irgendwelchen Gedanken nachzuhängen.
Während es im Sōtō-Zen üblich ist, mit dem Gesicht zur Wand zu sitzen, wie einst Bodhidharma, sitzen die Meditierenden im Rinzai-Zen mit dem Rücken zur Wand. Lange Zazen-Phasen werden in der klösterlichen Praxis von einer Gehmeditation (Kinhin) unterbrochen.
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Atmung

Die Ausatmung ist lang und tief. Die Meister vergleichen sie oft mit dem Muhen einer Kuh oder der Atmung eines Babys. Die Einatmung ist kürzer und kommt von selbst. Der Körper wird stark, das Gehirn wird frisch, die Blutzirkulation erneuert sich. Diese langsame, ruhige und tiefe Ausatmung fegt alle Kompliziertheit des Mentalen weg.
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Bewusstsein

Während Zazen muss die Aufmerksamkeit wachsam auf jedes Detail gerichtet bleiben. So wie die richtige Atmung nur aus einer korrekten Haltung entstehen kann, kommt die Haltung des Geistes natürlich aus einer tiefen Konzentration auf die Haltung und auf die Atmung.
Im Zazen ziehen Bilder und Gedanken, die aus dem Unterbewussten auftauchen wie Wolken am Himmel vorbei und lösen sich von selbst auf, wenn die Aufmerksamkeit erhalten bleibt oder auf die Haltung gelenkt wird. Es bleibt nur der gegenwärtige Augenblick.

“Wenn jemand fragt, was das wahre Zen ist, ist es nicht notwendig, dass ihr den Mund öffnet, um es zu erklären. Zeigt alle Aspekte eurer Zazenhaltung. So wird der Frühlingswind wehen und die wunderbare Blüte des Zwetschgenbaums erblühen lassen.” (Daichi Sokei 1290-1366)
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Zazen im Dojo
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